...WIR SOFORT DIE LAGER AUFLÖSEN!

Napuli 30 Südsudan

HINWEIS: Dies ist ein Meinungsprojekt*

Napuli will also die Großunterkünfte auflösen. Besser gestern als heute. Doch da, wo besonders laut nach Integration gerufen wird, passiert gerade das Gegenteil. In BAYERN. Da geht’s wieder Richtung Großunterkünfte:

 

"Das beschleunigt die Verfahren, da die Asylbewerber dort für das BAMF besser greifbar sind."
Emilia Müller, Sozialministerin

Die bayerische Staatsregierung will also vor allem:

MEHR SICHERHEIT - durch den Wachmann vor der Tür
EINFACHE BÜROKRATIE - durch große Einheiten
GERINGE KOSTEN - durch einheitliches Management

Die Bayern gehen damit einen Sonderweg, in allen anderen Bundesländern sind das Ziel kleinere Einheiten. Denn Großunterkünfte genießen einen schlechten Ruf!

 

André Schulz, Erster Kriminalhauptkommissar und Bundesvorsitzender Bund Deutscher Kriminalbeamter dazu:

"Würde man 1500 Franken mit 1500 Oberbayern, also zwei fremde Kulturen, in einen leerstehenden Baumarkt ohne jegliche Privatsphäre quetschen und diese über Wochen zum Nichtstun verdammen, würde es dort auch innerhalb kürzester Zeit zu Spannungen und Handgreiflichkeiten kommen."

Gemeinschaftsunterkunft bedeutet:

Kein Rückzugsort, keine Privatsphäre, viele Konflikte. Flüchtlinge fragen: Wie soll man so Deutsch lernen? Freunde finden? Und wir fragen: Sex haben?

Häufig entwickeln sich gerade in Heimen Parallelgesellschaften, mit eigenen Hierarchien, der Stärkste hat das Sagen, Frauen und Kinder stehen ganz unten in der Rangordnung.

Massenunterkünfte bergen Konflikte:

Ulrike Kostka, Caritas

Eigentlich soll ja Integration SO funktionieren:

Integration heißt, dass die Gesellschaft sich verändert. Jeder zusätzliche Tropfen Milch im Kaffee, verändert die Konsistenz. Die Milch löst sich im Kaffee auf, aber auch der Kaffee wird verändert.

 

Aber damit das klappt, müsste es auch irgendwelche Berührungspunkte geben und sei es beim Gemüsehändler um die Ecke.

Welcher Deutsche schaut schon mal in der Kaserne am Stadtrand vorbei? Integrationsforscher Prof. Wolfgang Kaschuba:

"Integration in Deutschland ging jedes Mal schief, wenn verhindert worden ist, dass die Menschen, die kommen, und die Menschen, die hier sind, ihre Alltage teilen. Wir entwickeln ein WIR-BILD und ein DIE-BILD. Wir brauchen so viele Kontaktzonen wie möglich!"

Und es gibt auch längst andere Modelle:

Leverkusen z.B. ist in Sachen Integration endlich mal nicht Vizekusen, sondern Spitze: seit mehr als 10 Jahren anderer Weg = das Leverkusener Modell. Flüchtlingsinitiativen haben es angestoßen. Und jetzt gilt: Asylbewerber in Privatwohnungen! So schnell wie möglich!

Klappte zuletzt nur noch bei 10% – es kamen zu viele und in Leverkusen gibt es keine leeren Wohnungen. Aber das Ziel bleibt. Safe ist es auch: In den ganzen Jahren ist noch niemand untergetaucht. Und viele Kommunen machen es längst nach.

Markus Märtens, Sozialdezernent der Stadt, ist der Herr über das Leverkusener Modell:

"Die Menschen integrieren sich besser, lernen die Sprache schneller, es entstehen bei uns in der Stadt keine neuen sozialen Brennpunkte und auch von der Sicherheit her gibt es kein Problem, die Menschen tauchen nicht unter. Und wir sparen Geld: etwa ein Drittel gegenüber Gemeinschaftsunterkünften."

 

 Einige Zahlen dazu:

Kosten Übergangsheim: 223 Euro (pro Person)
Kosten Privatwohnung: 148 Euro (pro Person)
(Quelle: Stadt Leverkusen, 2012)

Dabei gibt es viele Varianten des Zusammenlebens – auch in Bayern. In München wohnen Studenten + Flüchtlinge zusammen. Ein Modellprojekt. Gemeinschaftsunterkunft - die coole Variante. 60 Flüchtlinge und 40 einheimische Studenten, nur Männer. Über Frauen können sie ja reden – gemeinsam. »Mehr dazu hier

 

Für das bayerische Modell der Gemeinschaftsunterkünfte könnte aber noch ein weiterer Grund sprechen. Die Regel in Bayern sind eher ausgediente Kasernen. Das spart vor allem auch bayerisches Geld. Die gehören nämlich dem Bund – und der zahlt.

Doch war nicht das wichtigste Ziel Integration? Hat Napuli also recht, gehören die Großunterkünfte abgeschafft?

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*Die Ideengeber der Thesen sagen ihre Meinung, der Autor, Jan Lerch (UFA Lab), hat die Aussagen eingeordnet und kommentiert. Sie sind anderer Meinung? Wir freuen uns, von Ihnen zu hören. Kommentieren Sie jede These am Ende oder hinterlassen Sie auf der Startseite ihre eigene These.

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Abgegebene Kommentare (2)

publicnomad
65 millionen menschen auf der flucht, jeder ein du und ich. viele davon für jahrzehnte weggesperrt in lagern. "warehousing" nennen das die profis der hilfsindustrie. die "lagerhaltung von menschen" im 21. jhd ist ein verbrechen gegen die menschlichkeit. später wird man uns fragen: warum haben wir das zugelassen? wie konnten wir anderen menschen das recht absprechen, ein leben in freiheit und würde zu führen? wer sind wir eigentlich und was, wenn wir mal dieses privileg verlieren, weil z.b. ein belgisches AKW in die luft fliegt und wir dann ganz plötzlich auf der flucht sind... vertrieben... ein paar mehr unter den 65 millionen, die man dann für jahrzehnte in lager steckt. kann uns nie passieren?
Anonym
Eine gute Mischung ist erfolgversprechend. Gemeinsam Probleme lösen.